Montag, 9. April 2012

Die ersten Vikariatserfahrungen...

Manch einer wundert sich vielleicht, dass ich gar nichts von meinem Vikariatsalltag berichte. Es wird höchste Zeit. Ich bin nun schon seit einem Monat in Santiago und so langsam sind die ersten Aufgaben ins Rollen gekommen.
Vorne an steht die Jugendarbeit. Ich habe mich schon drei mal (immer Samstag Abend) mit der Jugendgruppe getroffen. Die Altersspanne ist sehr groß zwischen ungefähr 12 bis 26 Jahren. Die Jugendlichen sind eigentlich recht selbständig, haben viele Ideen und ihre Traditionen, aber ohne einen Ansprechpartner bzw. ein Begleitperson von Seiten der Kirche, der die Gruppe koordiniert bzw., der darauf achtet, dass die Gruppe sich selbst koordiniert und auch in seelsorgerlicher Hinsicht begleitet, zerfranst die Jugendgruppe. Letzte Woche haben wir einen Plan bis zu den Winterferien im Juli entworfen. Vorgestern trafen wir uns zu einer Karsamstagsandacht mit Liedersingen und gemeinsamen Essen. Zudem habe ich eine Gruppe junger Erwachsener gegründet, in der wir gemeinsam Texte der Bibel lesen, besprechen und diskutieren. In diesem Semester wollen wir uns Texten dem Alten Testament widmen und haben mit der Urgeschichte begonnen. Ich freue mich sehr auf die Gespräche und die Blickwinkel der Teilnehmer und bin gespannt, wie weit wir überhaupt kommen.
Gestern habe ich den ersten Gottesdienst gehalten. Ich hatte Glück, dass er auf Deutsch war. Das war natürlich einfacher, als wenn ich die Predigt auf Spanisch hätte schreiben müssen. Die Liturgie ist der deutschen wie sie im Gottesdienstbuch zu finden ist recht ähnlich. Allerdings sprechen die Pfarrer die liturgischen Teile und es wird nicht so viel wert auf Exaktheit gelegt. Als ich meinen Mentor fragte, ob es auch ein Formular für den Liturgen gebe, meinte er, dass es nur ein Heft mit den liturgischen Stücken für die Gemeinde gibt. Ich habe mir also in den ersten Gottesdiensten abgeschaut, was die anderen machen und es in ähnlicher Weise ausprobiert. Die ILCH benutzt die gleiche Perikopenordnung, wie in Deutschland. Ich durfte über den schönen Lobgesang meiner Namensvetterin aus 1Sam 2 predigen. In den Wochen davor hatte ich mich in den Gottesdiensten vorgestellt und schon einmal geübt frei auf Spanisch zu sprechen, zu lesen als auch ein Gebet zu formulieren. Frei etwas auf Spanisch zu formulieren fällt mir gar nicht so schwer. Wenn ich den Text dann Leo zur Korrektur gebe, muss er allerdings in fast jedem Satz etwas verbessern bzw. verschönern. Doch dadurch lerne ich am besten Texte zu formulieren, was ich bis jetzt kaum geübt habe.
Außerdem konnte ich eine deutsche Frauengruppe kennen lernen.
Des Weiteren begleite ich einige Konfirmandengruppen, wovon auch eine für Erwachsene ist und werde Stunden halten.
Mein Mentor hat mir schon angekündigt, mich bei der Ausbildung von Lektoren und Prädikanten und der Kindergottesdiensthelfer einzuspannen.
Hinzu kommen Besuche, sowie der Einblick in die Arbeit in den Altenheimen und die Kasualien. Außerdem gibt es verschiedene einmalige Aktivitäten, Treffen und Besuche, wie zum Beispiel Veranstaltungen mit der anderen lutherischen Kirche (IELCH), an denen ich teilnehme. Nächste Woche Samstag findet eine Art Kirchentag der IELCH zum Thema „Leben und Mission“ statt. Die Treffen mit der IELCH finde ich besonders wichtig, weil dadurch der Kontakt zwischen den beiden lutherischen Kirchen weiter wächst und die beiden Kirchen zunehmend ein gemeinsames Sprachrohr werden. Auch wenn sich die Gemeindemitglieder zum Teil in sehr verschiedenen Situationen befinden und unterschiedliche Positionen zu einigen Themen vertreten werden und dadurch eine Wiedervereinigung erschwert wird, so hat man durch den Glauben und die Gründung auf der lutherischen Theologie viele Gemeinsamkeiten.
Diese Woche werde ich einen meiner drei Kollegen bei all seinen Aufgaben begleiten, um den typischen Pfarralltag kennenzulernen, aber auch um Zugang zu den speziellen Arbeitsfeldern bzw. Institutionen in denen die Pfarrer in Santiago sich bewegen, zu erhalten, damit ich mich dort in Zukunft selbständig einbringen kann (Altenheime, Gesprächskreise, Besuche etc.).
So waren wir heute Vormittag in der Deutschen Schule, wo er in verschiedenen Klassen Religionsunterricht hält. Früher wurden an der Deutschen Schule fast alle Fächer auf Deutsch unterrichtet, mittlerweile gibt es verschiedene Klassen mit je unterschiedlicher Anzahl der auf Deutsch gehaltenen Stunden. Die Schüler reden untereinander fast nur noch Spanisch. Die Deutsche Schule gilt als eine der besten, aber auch teuersten Schulen Santiagos. Viele Kinder der Mitglieder in der ILCH gehen auf die Deutsche oder auf die Schweizer Schule, so dass der Kontakt zu diesen Schulen sehr wichtig ist.
Mittlerweile merke ich, was es für Vorteile hat in einer Gemeinde mit drei Pfarrern zu sein. Ich lerne mit mich mit verschiedenen Personen und Charakteren zu arrangieren, ich erfahre, dass verschiedene Stile nebeneinander möglich sind und ich kann von diesen unterschiedlichen Stilen lernen und werde dazu angeregt verschiedene Methoden auszuprobieren und bleibe (hoffentlich ;-) ) nicht bei den gleichen Methoden und Themen hängen.

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